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  • AutorenbildMina Bauer

Zauberkunst

Aktualisiert: 1. Okt. 2023

Ich habe mit Max Schneider gesprochen, er ist Französischlehrer an der Schule und hat vorher in Ägypten an der deutschen Schule Hurghada Englisch, Französisch und Deutsch (als Fremdsprache) in den Klassen 3-9 unterrichtet, dann ist er zurück nach Deutschland. Vom Beruf ist er Profi Zauberkünstler und Schauspieler. Jetzt ist er an unserer Schule und unterrichtet gerade Französisch und im ersten Halbjahr hat er Zauberei und Zirkus unterrichtet.

Der Begriff Zauberkünstler ist die Berufsbezeichnung. Ein Zauberkünstler ist ein darstellender Künstler, der im Bühnenbereich tätig ist. Ein Zauberer ist dagegen eine Märchenfigur, wie man sie aus Geschichten kennt. Dann gibt es auch Illusionisten. Der Illusionist ist streng genommen ein Zauberkünstler, der in der Sparte Großillusionen tätig ist, d.h. Kunststücke mit Tieren oder Menschen macht. Die Zauberkünstler zeigen Illusionen und erzählen Geschichten, die Leute zum Träumen und Staunen und Fühlen einladen. „Zauberei erinnert uns daran, lebendig zu sein.“.

Herr Schneider war in der Zauberakademie München, wo er als Ausnahme, weil sein Vater ebenfalls die Ausbildung gemacht hat, mit 11 Jahren aufgenommen wurde. Mittwochabends fuhr er eineinhalb Stunden von Niederbayern nach München und hatte dort etwa 3 Stunden am Abend Unterricht. Am nächstes Tag ging es dann müde in die Schule. Als junger Zauberkünstler übt man gerne auch weiter heimlich unter der Schulbank. Man hat dann aber nicht nur die Fingerfertigkeit zu trainieren, sondern auch die Präsentation. Zauberkunst können Frauen und Männer jeder Zeit anfangen. Wenn man davon beruflich leben will, ist es aber schon gut, in der Jugend anzufangen, denn die Grundausbildung dauert etwa 3 Jahre und man fängt dann mit Aufführungen in kleinem Kreis (Familie, Geburtstag, Sportfeier) an, die langsam größer werden (für Firmen, Theaterfestivals).

Eine Aufführung kann z.B. 10 Minuten oder eineinhalb Stunden dauern. Eine Darbietung hat einen Plot. Ein Plot bedeutet, der Zuschauer/die Zuschauerin kann nach der Darbietung in einem Satz sagen, worum es darin ging. Wie auch bei guten Filmen, die haben einen Masterplot. Vielleicht gibt es in der Darbietung sogar eine Figur, die gespielt wird. Z.B. gibt es als Figur jemanden, der wirklich eine Zauberkraft besitzt oder es gibt auch die Möglichkeit, dass die Zauberei einfach passiert, ohne das diese Figur etwas macht. Dann ist die Figur Opfer der eigenen Magie. Herr Schneider zaubert auf der Bühne seit über 25 Jahren. Seinen ersten Kontakt mit einem Zauberkasten hatte er mit neun Jahren. Er hat mit seiner Darbietung bei der deutschen Meisterschaft in der Sparte Mentalmagie gewonnen und in Belgien auf Französisch einen zweiten Preis im Bühnenwettbewerb. Auch ist er in der Europameisterschaft in Manresa, Spanien unter die besten 5 gekommen in der Kategorie Mentalmagie. Mentalmagie ist das scheinbare Gedankenlesen, in Herrn Schneiders Fall nach dem Motto „man sieht nur mit dem Herzen gut“. Das ist das Motto des kleinen Prinzen, denn Herr Schneider setzt bei seiner Mentalmagie die Geschichte des kleinen Prinzen künstlerisch um. Dort heißt es: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.“

Dazu sagt Herr Schneider: „Das ist eine schöne Herzensthematik, eine Botschaft, die ich in die Welt senden möchte, besonders in dieser Zeit, und deswegen wird der Zuschauer mit dem Herzen sehen. Er wählt ein Bild aus, nimmt das Bild ins Herz hinein, hält es an sein Herz und sendet mir das Bild in seiner Fantasie herüber“.

Außerdem ist Herr Schneider noch in der Sprechzauberei und der Close-up-Zauberei bekannt. Die Sprechzauberei ist allgemeine Magie, in der eine Figur gespielt wird, und Dramaturgie, also eine Handlung, die in der Darbietung stattfindet.

In der Close-up-Zauberei sitzen die Zuschauer sehr nahe an einem Tisch und können einem direkt auf die Finger sehen. „Wenn ich einen Ball nehme und dann schnipse und dann wird der Ball verschwinden, das ist close-up-Zauberei, Zauberei aus der Nähe.“

Dann gibt es auch noch die Manipulation. „Manus“ ist lateinisch für Hand. Hier geht es nur um die Fingerfertigkeit.

In der Coronazeit war Herr Schneider auch im Lehrauftrag an der Ludwig Maximilians Universität (LMU) München und unterrichtete dort als Dozent der Theaterwissenschaft, im Unterrichtsfach „Kulturvermittlung Zauberkunst“. Das war in Europa das erste Mal, dass in der Theaterwissenschaft die Zauberkunst an die Universität kam. Das war, wie Herr Schneider sagte „wie Hogwarts“. Dort beschäftigte man sich damit, wie lange es die Zauberkunst/die Magie schon gibt. Die Zauberkunst geht zurück auf über 2500 Jahre vor Christus. Auf einer Papyrusrolle wurde von Zauberkünstler Dedi berichtet, der im alten Ägypten lebte. Die Zauberkunst ist dann über Griechenland, Rom und das Mittelalter zu den Taschenspielertricks gekommen, bis nach Paris in ein Theater und hat sich dann weiterentwickelt bis ins moderne Theater und bis zu den moderne Las Vegas Shows heute.


„Ist es schwierig, Zauberkünstler zu werden? Ich denke, man wird innerlich dazu berufen. Es ist immer die Frage, was möchte ich mit meiner Lebenszeit anstellen? Wo ist meine Begeisterung? Was bringt mein Herz zum Singen? Über all die Jahre hat sich das so gezeigt, dass das Feuer nicht aufhört zu brennen. Ich war in der 9. Klasse und hätte schon das Zeug dazu gehabt, Profi zu werden. Ich habe mich dann aber dazu entschieden, die Schule weiter zu machen und habe dann Abitur gemacht in Chemie und Französisch, ein bayrisch-mathematisch-naturwissenschaftliches Abitur. Und ich würde sagen, jeder Weg hat seine Herausforderungen und man muss an sich glauben. Man muss auch der Star sein wollen und dann macht man, denke ich, dem Publikum mehr Freude. Ich würde sagen, die Zauberkunst ist der Bereich, wo ich meinen Mitmenschen am meisten Freude mache.

In Deutschland gibt es wenig Ausbildungsstätten, man kann auf eine Zauberschule, eine Zauberakademie, gehen. Aber in der Regel lernen Zauberkünstler*innen autodidaktisch, d.h. man hat Bücher und DVDs und entscheidet erst einmal, welche Sparte einen interessiert. Es gibt Kartenzauberkunst oder Zauberkunst für Kinder, Großillusionen, Stand-up-Magie oder Comedy-Zauberei (entweder sehr lustig oder sehr traurig). Und man fragt sich, welche Geschichte hat man auf der Bühne zu erzählen? Wer ist man als Bühnencharakter? und ist man die Zeit wert, die einem das Publikum schenkt? Und man hat herausgefunden, ja man ist die Zeit wert, wenn der Bühnencharakter die ersten beiden Fragen beantwortet hat. Also, wer bist du und welche Geschichte möchtest du mir erzählen? Und wenn man diesen Prozess durchlaufen hat, beginnt man regelmäßig zu üben und neue Kunststücke zu machen und das muss man immer weiter machen: neue Kunststücke lernen und Geschichten erzählen und vor allem auch seine eigenen Ideen entwickeln.

Was soll meine Zauberkunst für die Menschen sein? Ich habe mich dazu entschieden, die Geschichte des kleinen Prinzen zauberisch umzusetzen.“

„Was braucht man denn für besondere Fähigkeiten, um Zauberkünstler zu werden? Man braucht als besondere Fähigkeit erstens ein ganz großes Interesse und Liebe, auf die Bühne gehen zu wollen, um anderen Menschen eine Freude zu machen. Dann, wenn man das ernsthafte Interesse hat, sich einzuarbeiten, wie wenn man ein Musikinstrument spielt, die Freude etwas vorzuführen. Es ist natürlich auch interessant, wenn man etwas erlebt hat in seinem bisherigen Leben, denn dann hat man auch auf der Bühne etwas zu erzählen, eine Inspiration. Man braucht die Fähigkeit, andere Menschen für etwas zu begeistern. Man muss nicht Fingerfertig sein, um Zauberkunst zu beginnen, das kommt ganz automatisch, wenn man für sich übt. Die Freude ist da ganz entscheidend und das wäre so das wichtigste.“

Herr Schneider hat in der Coronazeit Zaubershows online gemacht. Eine Zaubershow online zu machen, bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. Der Winkel der Kamera und der Ton z.B. müssen genau stimmen und man muss wissen, welchen Abstand man braucht, damit die Requisiten gut in der Kamera zu sehen sind. Gerade wenn man, wie Herr Schneider, eine Bühne gewöhnt ist, wo die Zuschauer immer freie Sicht haben, muss man sich daran erst einmal anpassen. Außerdem hört man keinen Applaus. Der Einsatz von Musik geht in der online Zaubershow dagegen wunderbar. Gedankenlesen aber geht nicht, weil man das Gesicht nicht sehen kann und die Reaktion der Zuschauer nicht vor sich erlebt. Natürlich kann der Zuschauer auch nicht einmal einfach eine Spielkarte auswählen, weil er ja zu Hause sitzt und nicht durch den Bildschirm durchgreifen kann, d.h. es stellt sich die Frage, wie kann man als Zauberkünstler in einer online Zaubershow sein Publikum mit einbeziehen? Der Zuschauer kann z.B. einen Gegenstand auswählen, den der Zauberkünstler dann aber in der Hand behält. Auch kann man mit mehreren Kamera-Perspektiven arbeiten. Kunststücke, die für eine online Show geeignet sind, sind all die, die visuell sind, also was man mit dem Auge sehen kann.

Ein Seil wird zerschnitten und wieder ganz gezaubert, das kann man beispielsweise wunderbar sehen. Oder zwei Ringe, die sich scheinbar ineinander verketten. Diese visuellen Kunststücke sind sehr gut geeignet. Die online Zaubershows haben sich zu einer eigenen Disziplin entwickelt.

Herr Schneider hat in der Coronazeit am Tag drei Aufführungen gemacht und seine Zaubershow erhellte den Abend manch eines Kindes oder Liebespaares. Manchmal machte er auch noch eine Zaubershow für die Amerikanische Zeit gegen 23 Uhr. Denn ein großer Vorteil ist, dass die Leute sich weltweit dazu schalten können. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich den begrenzten Ausschnitt des Bildschirms als Zauberkünstler auch zu Nutze machen und Sachen daneben verstecken kann. Eine online Zaubershow bringt neue Bedingungen, die man erforschen muss, und dann werden die Shows immer besser.

In den kommenden Projektwochen bietet Herr Schneider das Projekt „Zaubern und Akrobatik 1“ an, in dem es um die Zauberkunst, Illusion und scheinbare Magie für Einsteiger geht. Dort könnt ihr Kunststücke mit Alltagsgegenständen und Fingerakrobatik lernen, sowie das Jonglieren mit Bällen.


Hier könnt ihr euch eine Darbietung von Herrn Schneider in der Kategorie Mentalmagie anschauen:

Und hier kommt ihr zu Herrn Schneiders Website:

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